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Die Mannschaft der Woche des 18. Bundesliga-Spieltags

Wer am 18. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 18. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. Sie wird von umjubelten Rückkehrern dominiert. Von einem in Stuttgart, einem in Köln, aber auch einem in Frankfurt.

Tor:

Roman Bürki (Borussia Dortmund): Der Schweizer Torwart des BVB gehörte in der Hinrunde zu den meistkritisierten Spielern der Liga. Meist zu Recht, denn was Roman Bürki an hanebüchenen Fehlgriffen zum Teil präsentierte, entsprach weder seinem Potenzial noch seinem Anspruch oder jenem seines Arbeitgebers. Sein konzentrierter Auftritt zum Rückrundenstart daheim gegen den VfL Wolfsburg aber nährt die Hoffnung, dass sich Bürkis Leistungen stabilisieren werden, je näher die WM in Russland rückt. Grandios, wie Bürki in der 37. Minute gegen Daniel Didavi rettet und auch in der 58. Minute gegen Divock Origi den drohenden Rückstand verhindert. Dass die Borussia jedoch auch vorne "zu Null" spielt, war so nicht geplant und ist zuletzt Bürkis Schuld.

Abwehr:

Frederik Sörensen (1. FC Köln): In einem rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach zu treffen und zudem einen Sieg des FC einzuleiten: Was mehr kann sich ein Kölner Spieler wünschen? Frederik Sörensen - Däne und 1992 gerade noch rechtzeitig geboren, um den sensationellen EM-Titel seiner Vorgänger über den damaligen Weltmeister Deutschland zu erleben - steht nicht so oft im Mittelpunkt. In der 34. Minute des Gladbacher Gastspiels beim Schlusslicht der Bundesliga ist das anders. Im Stile eines Torjägers erzielt Sörensen nach Milos Jojics Freistoßvorlage das 1:0. Es ist erst sein zweites Bundesligator im 70. Einsatz, uns es beflügelt Sörensen. In der 71. Minute schnürt der Manndecker um Haar einen Doppelpack. So aber bleibt die Entscheidung - wie in einem ausgedachten Drehbuch - seinem neuen Mitspieler Simon Terodde in dessen erstem Bundesligaspiel vorbehalten. Und das in der fünften Minute der Nachspielzeit.

Alexander Hack (1. FSV Mainz 05): Wie für Sörensen, so gilt auch für Hack, dass sein Wirken im Glitzerbetrieb Bundesliga gerne untergeht. Das gilt jedoch nur im Falle oberflächlicher Beobachter. Experten - und Mainzer Fans sowieso - kennen Hacks Wert. Passend zu seinem Jubiläum (25. Einsatz in der Bundesliga), wirbelt der Verteidiger in den stürmischen zwölf Minuten vor der Pause in Hannover kräftig mit. Hack schraubt sich in der 31. Minute hoch, um die vermeintliche Vorentscheidung für die Rheinhessen herbeizuführen. Der 2:0-Vorsprung der 05er ist allerdings sieben Minuten später bereits Geschichte, weil Hannovers Angreifer Niclas Füllkrug einen Sahnetag erwischt. Auch Ex-Löwe Hack ist dagegen letzten Endes machtlos, darf aber immer auf sein erstes Tor in der Bundesliga verweisen.

Benjamin Hübner (TSG 1899 Hoffenheim): Benjamin Hübner stammt von einem Torjäger ab. Manchmal blitzt das auf. Vater Bruno, der seit 2011 als Sportdirektor an den Mannschaften der Frankfurter Eintracht bastelt, traf in den 80er Jahren 19 Mal für den 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga. Davon ist Benjamin noch ein gutes Stück entfernt. In Bremen trägt sich Hübner junior zum fünften Mal in die Torschützenliste der Bundesliga ein. Der verlässliche Verteidiger sichert mit seinem Kopfballtreffer zum 1:0 Hoffenheim an der Weser letztlich einen verdienten Punkt. Hübner trifft in der 39. Minute, als Werder noch wie der kommende Verlierer der Partie wirkt. Das ändert sich aber in den zweiten 45 Minuten, als die Platzherren sich den Ausgleich und den Punkt verdienen. Auch dieses Tor markiert ein Defensiver: Theodor Gebre Selassie.

Timo Baumgartl (VfB Stuttgart): Nicht nur in Stuttgart wissen sie, dass Timo Baumgartl ein kommender A-Nationalspieler ist. In die U21 des DFB hat es das 21-jährige Eigengewächs längst geschafft. Im Heimspiel gegen die Hertha sendet Baumgartl die nächste Empfehlung Richtung Joachim Löw ab. Dass der Bundestrainer mit VfB-Vergangenheit als Spieler und Trainer eine Affinität zum Klub mit dem roten Brustring hegt, ist ebenso bekannt wie legitim. Aus dem Schwäbischen oder Badischen scheint der Weg in den Weltmeisterkader ein kürzerer zu sein als aus anderen Landesteilen der Liga. Baumgartl darf sich nach auffallend zweikampfstarken und souveränen Auftritten wie beim 1:0 über Hertha BSC Hoffnungen hingeben, spätestens nach der WM eine Einladung im Briefkasten vorzufinden.

Mittelfeld:

Omar Mascarell (Eintracht Frankfurt): So muss ein Wiedereinstieg aussehen: Der Start in die Rückrunde ist für Omar Mascarell der Start in die Saison. Eintracht Frankfurt hat auf seinen fleißigen Spanier seit dessen Eingriff an der Achillessehne im vergangenen Sommer verzichten müssen. Beim 1:1 daheim gegen den SC Freiburg agiert der 24-Jährige, als sei er nie weg gewesen. Sein Cheftrainer hat es gewusst: "Natürlich fehlt ihm die Spielpraxis, aber Omar orientiert sich gut im Raum und ist balltechnisch so gut, dass er keine Probleme haben wird", sagte Niko Kovac im Rahmen der Pressekonferenz vor der Begegnung. In ihr organisiert Mascarell nicht nur die Führung der Eintracht durch Sébastien Haller in der 28. Minute, sondern trägt sich acht Minuten später um ein Haar selbst in die Torschützenliste ein. Frankfurts 2:0 aber will vor dem Seitenwechsel nicht fallen. Und auch danach nicht. Statt dessen gleicht Freiburg - trotz Mascarells aufmerksamer Spielführung im defensiven Mittelfeld - durch Robin Koch in der 51. Minute zum 1:1-Endstand aus.

Diego Demme (RB Leipzig): Nationalspieler Diego Demme ist beim 3:1 daheim über Schalke der gesuchteste Akteur des Gastgebers Leipzig. Bezüglich Ballkontakten mogelt sich der in die Anfangsformation rotierte Demme mitten hinein in die geballte Schalker Phalanx: gleich fünf Jungs des Revierklubs nehmen Demme in ihre Mitte. Nur Naldo (85) und Benjamin Stambouli (82) sind noch öfter am Ball als Demme (80). Gewonnen aber hat Demme mit seinen Kollegen. Demzufolge spielt Demme auch die meisten Pässe bei den Platzherren (52), die meisten die ankommen (44), aber immer noch weniger als vier vor ihm versammelte Schalker. Aber da nicht Ballbesitz und Pässe Fußballspiele gewinnen - sondern Tore - hat Demme alles richtig gemacht. Und mehrere Schalker nicht.

James Rodriguez (FC Bayern München): Sein Auftritt beim 3:1 in Leverkusen darf als Indiz dafür herhalten, dass sich James Rodriguez in München allmählich einlebt. In Weltklassemanier versenkt der Kolumbianer in der ersten Minute der Nachspielzeit einen Freistoß zum Endstand im Winkel des Leverkusener Gehäuses. Zuvor hat der von Real Madrid ausgeliehene Torschützenkönig der WM 2014 bereits den Pass vor Franck Ribérys Schuss zum 2:0 gespielt. Es ist einer von 56 von Rodriguez an jenem gelungenen Abend, die ankommen. Kein Spieler reicht dem 26-Jährigen in dieser Kategorie das Wasser. Rodriguez reißt das Spiel an sich. Nur David Alaba kommt mit der Kugel noch zwei Mal mehr in Berührung, 88 Mal. Und wer oft den Ball hat, wird auch oft attackiert: Rodriguez wird öfter gefoult als jeder andere Akteur, vier Mal. Darin drückt sich auch der Respekt aus, den er seitens der Leverkusener genießt. Sie machen ihn beim 1:3 nicht umsonst als stetige Gefahrenquelle aus.

Angriff:

Niclas Füllkrug (Hannover 96): Der Füllkrug geht so lange zum Tor, bis er trifft: Im Heimspiel gegen wehrhafte Mainzer musste Niclas Füllkrug schon drei Mal zulangen, um Aufsteiger Hannover einen geglückten Start in die Rückserie zu bescheren. Es steht 0:2 gegen die 96er, als Füllkrug damit beginnt, die Mainzer aus ihrem Traum eines Auswärtssiegs zu reißen. Seine Saisontore sechs sieben und acht sind Füllkrugs Treffer acht, neun und zehn in der Bundesliga. Er steigt damit auf in den illustren Kreis jener, die im Oberhaus das Kunststück fertiggebracht haben, einen Dreierpack zu schnüren. Lächelnd nimmt der Glückliche anschließend die Anspielung des ARD-Reporters der "Sportschau" auf, jetzt dürfe sich doch bald mal der Bundestrainer melden. Füllkrug hätte nichts dagegen. Genauso wenig, wie die Mainzer etwas gegen ihn hatten, um seinen Lauf zu stoppen. Füllkrug hätte ihnen - angesichts seiner Chancen - auch einen Fünferpack verpassen können. Schon am 21. Oktober 2017, am neunten Spieltag, hatte Füllkrug führenden Gästen in Hannover den Garaus gemacht und drei Punkte aus den Händen gerissen. Damals traf der 24-Jährige doppelt gegen den FC Augsburg.

Mario Gomez (VfB Stuttgart): Mario Gomez' Heimkehr an den Neckar wirbelte in der kurzen Winterpause der Bundesliga mit den meisten Staub auf. Dem VfB ist mit der Präsentation des verlorenen Sohnes in Stuttgart ein unerwarteter Drei-Millionen-Euro-Coup geglückt. Gomez hat seine Odyssee, die ihn nach München, Florenz, Istanbul und Wolfsburg führte, beendet. Daheim in Stuttgart rechnet sich der 32-Jährige die besten Chancen aus, sich dem Bundestrainer für die WM in Russland zu empfehlen. Beim 1:0 gegen Hertha BSC beginnt er damit. Gomez ist vor, während und nach dem Spiel das große Thema und der umjubelte Mann. In der 33. Minute erzielt er vermeintlich das 1:0. Doch er steht im Abseits. Die heimischen Fans müssen sich in Geduld üben. Sie werden dafür belohnt. Für das einzige reguläre Tor des Tages lässt sich Gomez später feiern, obwohl es sein Gegenspieler erzielt hat. Das sehen viele im Stadion nicht, und allen anderen ist es egal. Hauptsache, der VfB führt und gewinnt, und Hauptsache, Gomez' Einsatz hat dazu beigetragen. Den Punkt für die Vorarbeit heimst der Rückkehrer ein. Es wird nicht lange dauern, bis ihn die geballte Aufbruchstimmung, die er nur mit seinerm Erscheinen ausgelöst hat, zu seinem 156. Bundesligator, dem 64. für den VfB Stuttgart, trägt.

Simon Terodde (1. FC Köln): Mag sein, dass Simon Terodde einen Traum hatte, was seine Rückkehr ins Trikot des 1. FC Köln anbelangt. Das, was sich im Derby gegen Borussia Mönchengladbach letzten Endes abspielt, ist aber selbst für einen Traum viel zu kitschig. Es steht 1:1, die fünfte Minute der Nachspielzeit läuft, und von links rauscht eine Flanke in den Gladbacher Sechzehner. Und wer steht richtig, um per Kopf einzunicken? Simon Terodde. Es ist sein sechster Punktspieleinsatz für den FC, der letzte liegt fast auf den Tag genau sieben Jahre zurück, es war auch ein 18. Spieltag, Lukas Podolski ist noch da, Terodde ist damals gegen den 1. FC Kaiserslautern Joker, wie immer: mehr als neun Minuten hat er nie für die Kölner spielen dürfen. Am 14. Januar 2018 spielt er zum ersten Mal über 90 Minuten für die Geißböcke, pardon: 95 Minuten, und er trifft. In der Hinserie hat er sich noch für den VfB Stuttgart unter dem Erwartungsdruck, der beste Torjäger der 2. Bundelsiga zu sein, zu zwei mageren Toren gequält. Jetzt soll er Köln vor dem sicher scheinenden Absturz bewahren. Ein Anfang ist gemacht. Ein Märchen, eines, wie sie die Bundesliga zyklisch schreibt.

Alle Mannschaften der Woche:

Autor: Jörg Hausmann