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Charles Leclerc ersetzt Kimi Räikönnen bei Ferrari

Formel 1

Charles Leclerc ersetzt Kimi Räikönnen bei Ferrari

Seit längerem wurde es gemunkelt, nun ist es offiziell: Zur kommenden Formel-1-Saison trennt sich Ferrari von Kimi Räikkönen. Zum Erstaunen vieler nimmt seinen Platz der junge Sauber-Pilot Charles Leclerc ein. Der 20-Jährige wird somit Teamkollege von Sebastian Vettel. Eine Verpflichtung, die mit viel Hoffnung, aber auch einigen Zweifeln verbunden ist. Aber wer ist Charles Leclerc eigentlich?

Als Ferrari bekannt gab, dass Kimi Räikkönen 2019 durch Charles Leclerc ersetzt wird, war das Staunen in der Formel-1-Gemeinschaft groß. Der Monegasse steht für einen Generationenwechsel, der für viele längst überfällig ist, für andere aber viel zu früh kommt.

Dreams do come true... I'll be driving for @scuderiaferrari for the 2019 Formula 1 World Championship. I will be eternally grateful to @scuderiaferrari for the opportunity given. To @nicolastodt for supporting me since 2011. To my family. 1/3 pic.twitter.com/O4GQVO570b

— Charles Leclerc (@Charles_Leclerc) 11. September 2018

"Ein Traum wird wahr. Ich fahre für Ferrari im Jahr 2019. Ich werde Ferrari für diese Möglichkeit immer dankbar sein", schrieb Leclerc auf Twitter.

Fest steht, dass der Glückliche, der 2017 die Formel 2 gewann, in große Fußstapfen tritt. Mit Räikkönen verlässt "ein großartiger Teamplayer" die Italiener, wie Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sagte. Vor allem auf Grund seines WM-Triumphs 2007, dem bislang letzten Fahrertitel für die Scuderia, hat der finnische Oldie Kultstatus in Italien.

 

Kimi Raikkonen to step down at the end of 2018. #Kimi7 https://t.co/sj7fD4XaYL

— Scuderia Ferrari (@ScuderiaFerrari) 11. September 2018

 

Nachdem der als "Iceman" bekannte Pilot nach seinen zwei Jahren bei Lotus 2014 zu Ferrari zurückkehrte, empfahl sich Räikkönen vor allem als Helfer für Sebastian Vettel. Die Fahrerpaarung harmonierte menschlich, doch der Erfolg blieb aus. Nachdem sich Vettel bis zuletzt für seinen finnischen Kumpel ausgesprochen hatte, wird er nun aus seiner Komfortzone gerissen.

Stall-Konkurrenz für Vettel

Mit Charles Leclerc wechselt ein vielversprechender Fahrer nach Maranello. In der Saison 2018 empfahl sich Leclerc mit ansprechenden Leistungen bei Sauber für ein Top-Cockpit. Sebastian Vettel wird sich an 2014 erinnert fühlen – seinem letzten Jahr bei Red Bull. Damals bekam der Heppenheimer mit Daniel Ricciardo auch einen jungen und aufstrebenden Teamkollegen vor die Nase gesetzt. Am Ende stand er vor dem viermaligen Weltmeister. Trotzdem scheint auch Vettel beeindruckt zu sein von seinem neuen Teamkollegen: "Der Hype um ihn ist gerechtfertigt. Wenn man alle Nachwuchskategorien so durchläuft wie er, dann gehört man definitiv hierher."

Es ist unklar, seit wann der Wechsel in trockenen Tüchern ist. Während des Rennens in Monza (Italien) wurde gemunkelt, dass Leclerc bereits Ende Juni einen Vertrag erhalten habe – von niemand Geringerem als dem kürzlich verstorbenen Ferrari-Patron Sergio Marchionne. Deswegen soll auch Scuderia-Boss John Elkhann gesagt haben, er respektiere das Papier vor allem aus moralischer Perspektive. Es sei eine Verpflichtung gegenüber dem letzten Willen Marchionnes.

Ferrari beweist Mut – trotz vieler Kritiker

Die Verpflichtung Leclercs ist ein gewagter Schritt. Der 20-Jährige wird der jüngste Ferrari-Pilot seit circa 60 Jahren und der zweitjüngste überhaupt. Lediglich Ricardo Rodriguez war bei seiner F1-Premiere 1961 noch jünger, als es Leclerc in der Saison 2019 sein wird.

Nicht wenige kritisieren den Wechsel, obwohl Leclerc bereits als Testfahrer Mitglied der Scuderia war. "Zu früh für ihn", sagte auch Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve, dessen Vater Gilles 1982 in einem Ferrari in Zolder starb. "Der Druck bei Ferrari ist so extrem, es wäre besser für ihn gewesen, erst noch einmal ein Jahr in einem Mittelklasse-Team Erfahrung zu sammeln."

Aber frei nach dem Motto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", hat Ferrari zu einem Zeitpunkt Mut bewiesen, als sich die anderen Teams nicht getraut haben, Nachwuchstalente in ihren Teams unterzubringen. Toto Wolff, Teamchef von Mercedes, hatte erst in Monza gesagt: "Die großen Teams werden keine Risiken mit jungen Fahrern eingehen. Vielleicht sollten wir einem 19-Jährigen ein Top-Auto geben. Aber das Problem ist, dass wir dann riskieren, die WM zu verlieren, weil sie eben eine Lernkurve haben." Ferrari wird sich dieses Risikos bewusst sein, doch die Italiener sehen in Leclerc einen Rohdiamanten, der die PS seit seiner Kindheit verinnerlicht hat.

Auf Papas Spuren

Charles Leclercs Faszination für den Rennsport kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Vater Hervé war Rennfahrer und schaffte es in den 80er-Jahren in die Formel 3. "Mit viereinhalb Jahren habe ich bereits angefangen, Kart zu fahren", erzählte Charles im Interview mit "Motorsport Magazin". Auf der Kartbahn von Brignoles, geführt von Philippe Bianchi, Vater des verstorbenen Formel-1-Fahrers Jules Bianchi, habe er sich in das Kartfahren verliebt. In Jules Bianchi fand der junge Charles schließlich einen Freund und Mentor.

In einem entscheidenden Abschnitt seiner Karriere, als Papa Leclerc die finanziellen Mittel nicht mehr aufbringen konnte, war es Jules, der den Kontakt zu seinem Manager Nicolas Todt (Sohn von FIA-Präsident Jean Todt) herstellte. "Also hat er gesagt: 'Hey Nicolas, ich habe da einen sehr guten Freund, aber seine Racing-Karriere könnte dieses Jahr enden. Schau' dir doch mal seine Ergebnisse an, und wenn du interessiert bist, dann nimm' ihn'." Gesagt, getan: Er wurde von Todt 2011 unter Vertrag genommen, und dank Sponsorengelder konnte Charles seine Karriere fortsetzen.

Schicksalsschläge prägen seinen Aufstieg

Von 2005 bis 2013 gewann Charles Leclerc im Kartsport so ziemlich alles, was es zu gewinnen gibt. 2014 fuhr der Monegasse erstmals im Rennwagen und belegte in der Formel Renault zum Ende der Saison Platz zwei. Im folgenden Jahr wechselte Leclerc in die Formel 3 und bestätigte seine guten Leistungen durch Platz vier in der Gesamtwertung.

Dieser Erfolg wurde vom Tod seines guten Freundes Jules Bianchi überschattet. Anfang Oktober 2014 war Bianchi beim F1-GP in Suzuka (Japan) schwer verunglückt. Nach neun Monaten im Koma verstarb Leclercs enger Vertrauter an den Folgen seiner Verletzungen. Ein harter Schlag für den ambitionierten Nachwuchsfahrer.

Doch Charles ließ sich nicht entmutigen. 2016 gelang ihm der große Durchbruch, indem er die GP3-Serie auf Anhieb gewann. Zudem wurde er ins Förderprogramm von Ferrari aufgenommen - ein Ritterschlag für den damals 18-Jährigen. Sein Siegeszug ging 2017 in der Formel 2 weiter. Sieben von 22 Rennen gewann der Shootingstar. Am Ende der Saison stand die überlegene Meisterschaft.

Das Jahr seines bislang größten Erfolges war aber auch gleichzeitig das seiner schwärzesten Stunde. Sein Vater Hervé verstarb überraschend im Laufe der damaligen Formel-2-Saison. Der zweite schwere Schicksalsschlag innerhalb kurzer Zeit. Doch ans Aufhören habe er nie gedacht, sagte der junge Rennfahrer. Er werde weiterfahren, sowohl für seinen Papa als auch für Jules: "Ich werde noch härter als jemals zuvor arbeiten, um euch nicht zu enttäuschen."

Das tat Charles Leclerc - in der kommenden Saison fährt im wohl berühmtesten Formel-1-Cockpit der Welt.

 

To a person that is not part of this world anymore but to whom I owe everything of what is happening to me, Papa. To Jules, thank you for all the things you learnt me, we will never forget you, and to all the persons that supported me and believed in me. 2/3

— Charles Leclerc (@Charles_Leclerc) 11. September 2018

 

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Autor: Steffen Geggus